Simbolo / Symbol

Auch politische Symbole wie Denkmäler, Fahnen, Orden, Urkunden oder Auszeichnungen drücken ihren Symbolgehalt "schweigend", eben in einer klischeehaften Sprache – besser formuliert – durch codierte Signale aus, deren Bedeutung nur jene erfassen, die den Kontext kennen. Politische Symbole können eine stark gemeinschaftsbildende Funktion innerhalb einer Sprachgruppe erfüllen oder eine integrative Funktion zwischen den Sprachgruppen haben. Sie können als Instrument gesellschaftlicher Kohäsion oder als Instrument ethnischer Ausgrenzung dienen. Sie existieren und funktionieren jedenfalls nur in einem bestimmten historischen, politischen und sozialen Kontext. Sie beinhalten stark komprimierte Aussagen und sprechen das sozial Unbewusste, das kollektive Gedächtnis der Sprachgruppen an. Sie sind daher einer rationalen Analyse nur schwer zugänglich und lösen meist unkontrollierbare emotionale Abläufe aus: Angst, Abwehr, Ablehnung oder nicht reflektierte Zustimmung, einseitige Sympathien, falsche Geborgenheit. Die Bedeutungsfixierung wird zumeist von jenen Kräften vorangetrieben, die ein deutliches politisches Interesse daran haben.
Siegfried Baur, Stammtisch I, 25.10.2010

Ein starker Einsatz von Symbolen in der Politik führt zu einer Ritualisierung der Politik und zu einer Entpolitisierung der Gesellschaft, das heißt, letztlich zu einer Entmündigung des Bürgers/der Bürgerin. Dies trifft in besonderer Weise auf Diktaturen zu, ist aber auch in Demokratien eine ständige Gefahr bei der konflikthaften Auseinandersetzung von Ethnien, die in einem gleichen Territorium leben.

Siegfried Baur, Stammtisch I, 25.10.2010

 

Penso che il de-potenziamento si ottenga prima di tutto aprendo al pubblico, facendo entrare la vita reale, normale. I simboli parlano comunque: il nome di Bombay è stato mutato in Mumbay, ma il simbolo “Bombay” rimane. Così per lo spazio dello Zeppelinfeld,  dove ho visto un concerto rock. (Anm. Der Red.: Auf der Zeppelinwiese in Nürnberg fanden ab 1933 Veranstaltungen der Wehrmacht und des Reichsarbeitsdienstes sowie der Appell derpolitische Leiter der NSDAP

Christoph Franceschini, Stammtisch I, 25.10.2010      

 

Viele meinen, wir hätten heute genug von Monumenten und Symbolen, weil sie zu lange Teil politischer Programme waren. Aber in einer Gegend wie dieser, einem Grenzgebiet, wo man teilweise noch im letzten Jahrhundert weilt, ist das Thema Symbole, und damit der Ortsnamen, unvermeidlich, ja heute wieder von tragender Bedeutung.

Giorgio Mezzalira, Stammtisch I, 25.10.2010

 

Auch politische Symbole wie Denkmäler, Fahnen, Orden, Urkunden oder Auszeichnungen drücken ihren Symbolgehalt "schweigend", eben in einer klischeehaften Sprache – besser formuliert – durch codierte Signale aus, deren Bedeutung nur jene erfassen, die den Kontext kennen. Politische Symbole können eine stark gemeinschaftsbildende Funktion innerhalb einer Sprachgruppe erfüllen oder eine integrative Funktion zwischen den Sprachgruppen haben. Sie können als Instrument gesellschaftlicher Kohäsion oder als Instrument ethnischer Ausgrenzung dienen. Sie existieren und funktionieren jedenfalls nur in einem bestimmten historischen, politischen und sozialen Kontext. Sie beinhalten stark komprimierte Aussagen und sprechen das sozial Unbewusste, das kollektive Gedächtnis der Sprachgruppen an. Sie sind daher einer rationalen Analyse nur schwer zugänglich und lösen meist unkontrollierbare emotionale Abläufe aus: Angst, Abwehr, Ablehnung oder nicht reflektierte Zustimmung, einseitige Sympathien, falsche Geborgenheit. Die Bedeutungsfixierung wird zumeist von jenen Kräften vorangetrieben, die ein deutliches politisches Interesse daran haben.

Siegfried Baur, Stammtisch I, 25.10.2010

Heute geht eine weitreichende Krise der Normgebung (des “Sein-müssens”) mit einer Abstumpfung der Neigung zur (individuellen und kollektiven) Symbolisierung einher: Es fehlen Symbole für ein Projekt der Zivilisiertheit (der Politik, des Lebens oder des religiösen Glaubens) und damit letztendlich auch die Bedürfnisse, die diese Symbole bestimmen und übermitteln (formalisieren) könnten.

Beitrag von Matteo Cavalleri “Ein Monument des Möglichen”, Forschungswoche, 30.10.2010

 

Ein mögliches Beispiel dieser Bedürfnisannullierung kann man in den Ausführungen Jugendlicher über ihren häufigen Umgang mit Prostituierten nachverfolgen, ihr “weil es einfacher geht”: das Austrocknen der Symbolsphäre, das sich in der Geste des unverbindlichen Bezahlens ausdrückt (wohingegen es zum Führen einer Beziehung und zum Verführen Verbindlichkeit braucht) zeigt die Unfähigkeit, eine Beziehung handzuhaben sowie deren wesenseigene Zufälligkeit und Unvorhersehbarkeit. Die Vorstellung, dass sie “nein” sagen könnte ist unerträglich. Die Symbolisierungsfähigkeit, die eine innere Sinneswelt schafft, deren Ausdruck zu Leidenschaft und Motivation führen würde, ist so schwach, dass keine Beziehung mit dem anderen mehr aufgebaut wird. Generell gesagt, ist diese Schwäche “sicher ein wichtiger Grund für gewalttätiges und sadistisches Verhalten. Dessen aufreizender Effekt auf die Psyche ersetzt wahre Befriedigung, oder ein Erfülltheitsgefühl das von sinn- und motivationsreichem und zweckvollem Handeln herrührt, wie sie in der Symbolsphäre strukturiert sind.”( M. C. Bartolomei, La dimensione simbolica. Percorsi e saggi, Edizioni Scientifiche Italiane, Napoli 2009, pp. 11-12)

Beitrag von Matteo Cavalleri “Ein Monument des Möglichen”, Forschungswoche, 30.10.2010

Man muss wissen, dass in der griechischen Tradition das Symbol gewissermaßen aus dem Humus – der Erde- erwächst und es seit seiner ersten Erwähnung eine stoffliche Form annimmt. Symbol ist nämlich ein Tonbarren, der zur gegenseitigen Anerkennung zwischen zwei Parteien dient (wie ein “Mitgliedsausweis” oder eine “Gästekarte”): Hier kann man ihn anfassen, in der Hand halten, sehen. Er trägt eine Aufschrift und wird asymetrisch geteilt und jede Partei verwahrt ihre Hälfte. Wenn beide Teile perfekt zusammenpassen, erkennen die Parteien sich selbst und gleichzeitig das Gegenüber als gleichwertigen unverzichtbaren Teil einer Vereinbarung an.
Aus dieser ursprünglichen, feinfühligen Formulierung lässt sich verstehen, dass das Symbol selbst keine Idee ist (das Stück Ton an sich ist kein Symbol, es wird eines, wenn die Tonscherben zusammengefügt werden). Im Beispiel des griechischen Tonbarrens stellt nicht er selbst die Idee der Vereinbarung dar, sondern eben jene sinnlich wahrnehmbare Form, die auf die Idee anspielt, die an die Übereinkunft erinnert und sie als Projekt in den Sinn ruft, als Erinnerung für die Zukunft: “Beide Teile des Ausweises tragen die Erinnerung und die ständige Brisanz der Übereinkunft in sich”(.M. C. Bartolomei, La dimensione simbolica. Percorsi e saggi, Edizioni Scientifiche Italiane, Napoli 2009, pp.28) 

Beitrag von Matteo Cavalleri “Ein Monument des Möglichen”, Forschungswoche, 30.10.2010

 

Das Symbol, das aus dem Symbolbewusstsein stürzt und dann verwendet wird, stellt hingegen eine Katastrophe dar.

Beitrag von Matteo Cavalleri “Ein Monument des Möglichen”, Forschungswoche, 30.10.2010